Woche 3 / 2018

«Die Einstellung im Kopf ist das A und O»


Vor knapp zwei Monaten ging in der John Hancock Hall in Boston (USA) für Robi Roos ein grosser Traum in Erfüllung. Der Schötzer holte sich an der Weltmeisterschaft der World Natural Bodybuilding Federation in der Kategorie «bis 75 Kg» den Sieg. «Ich hatte wirklich nicht damit gerechnet, in dieser Kategorie zu gewinnen, da die Konkurrenz sehr stark und ich mit 47 auch der älteste Teilnehmer war. Eher dachte ich, ich würde die Kategorie ‹Masters 40+› gewinnen, wo ich dann Platz zwei geholt habe», erzählt Roos über seinen verdienten Erfolg. «Ich habe mich sehr gefreut, dass es dieses Mal in Amerika zum Spitzenplatz gereicht hat, zumal ich auch gemerkt habe, dass man mir den Sieg gönnte und ich von allen Seiten Gratulationen entgegennehmen durfte.» Dabei war Robi Roos anfangs vom Bodybuilding nicht besonders begeistert, als ihn 1991 ein Kollege das erste Mal mit ins Fitnessstudio nahm. Doch schnell hat Roos gemerkt, dass das Training mit den Gewichten nicht nur für den Körper eine gute Sache ist, sondern auch für Geist und Seele. Er machte grosse Fortschritte, und ermutigt durch sein Umfeld nahm Roos 1999 an einem internationalen Cup in Thun teil und erreichte in seinem ersten Wettkampf gleich den zweiten Platz in der Kategorie «bis 70 Kg». In der Vorbereitungsphase hatte er gemerkt, wie sich sein Körper verändert und wie topfit er sich fühlt. Das machte Lust auf mehr und so bestritt der Schötzer in den folgenden Jahren erfolgreich viele weitere Wettkämpfe im In- und Ausland. Zu den Highlights zählen zwei Overall-Siege (Gesamtsiege) an den Schweizer Meisterschaften 2010 und 2012 sowie fünf Vize-Weltmeistertitel.


Nach einem Unfall wieder an die Spitze gekämpft
Bis 2013 lief es sehr gut, da erlitt Roos bei einem Snowboardunfall am linken Fuss schwere Verletzungen. Die Diagnose lautete: Sprunggelenk gebrochen, Innen- und Aussenbänder angerissen und Verschiebung all der kleinen Gelenke im Fuss. Die Ärzte waren der Ansicht, dass er nie wieder richtig würde gehen können. Doch Roos liess sich nicht entmutigen und schaffte es, in enger Zusammenarbeit mit einem Sportphysiotherapeuten, nach einem harten, einjährigen Heilungsprozess wieder gehen zu können. Diese unfreiwillige Auszeit forderte seinen Tribut, Roos verlor am linken Bein viel Muskelmasse, welche er sich über zwei Jahre wieder erarbeiten musste. Ein Wettkampf 2015 als Standortbestimmung zeigte ihm auf, dass er noch viel würde investieren müssen. Mit eisernem Willen und einem Riesenaufwand hat er es jetzt geschafft, sich wieder an die Spitze zurückzukämpfen. Der Bodybuilder könnte den Sport zum Beruf machen, aber er möchte nicht auf seine zweite Leidenschaft verzichten. Seit 30 Jahren ist er Baumaschinenführer und bewegt auch mit dem Grossbagger viel Gewicht.

Wohlbefinden und Fitness bis ins hohe Alter
Bodybuilding heisst ja nicht nur Wettkampf. Das Krafttraining sorgt für Wohlbefinden bis ins hohe Alter und wird von vielen Leuten betrieben, um auch Körperkraft, Vitalität und Stabilität zu erhalten. «Beim Bodybuilding sieht man halt die Ergebnisse des Trainings am besten», so Roos, der sich klar für einen dopingfreien Sport einsetzt und von Substanzen wie anabolen Steroiden nur dringendst abraten kann. «Zwar braucht man beim Natural Bodybuilding ohne Anabolika länger, um Muskeln aufzubauen, verliert aber nicht gleich wieder alles, wenn man nicht mehr trainiert.» Mit Krafttraining könne man mit relativ wenig Aufwand sehr viel für seinen Körper tun und dies sei gerade für Leute mit sitzender Tätigkeit zu empfehlen. Mit drei Mal Training in der Woche lasse sich der ganze Körper gezielt trainieren. «Die Einstellung im Kopf ist das A und O», so Roos, «und mit einem definierten Ziel ist auch die Motivation viel höher. Das ist nicht nur beim Sport so.» Massgeblich zum Erfolg trage auch eine optimale Ernährung bei, ohne diese ginge nicht viel, weder beim Krafttraining, noch beim Abnehmen. Als Personaltrainer gibt Roos sein enormes Wissen sowie Erfahrung in Sachen Training und Ernährung gerne weiter: «Viel lässt sich schon nur mit kleinen Optimierungen herausholen. Es gilt auch einen Trainingsplan zu finden, den man durchziehen kann, denn die Anfangseuphorie, gerade auch nach dem Jahreswechsel, ist oft schnell wieder verflogen. Ich möchte, dass meine Kunden Freude am Sport und Erfolg haben.» Aber auch nach dem Erfolg in Amerika heisst es für Roos, sich wieder neu zu fokussieren auf den nächsten Wettkampf. «Wichtig ist es, jeweils im Wissen anzutreten, dass man von sich aus in den Vorbereitungen alles Menschenmögliche getan hat. Das gibt dann so oder so ein gutes Gefühl. »

OLIVIER DIETHELM