Woche 29 / 2018

So begegnen Altersheime der grossen Hitze


Noch befinden sich die Temperaturen unter der 30-Grad-Grenze, aber das dürfte sich bald ändern. Was für viele erst einen richtigen Sommer ausmacht, bedeutet für betagte Menschen oft physischen Stress. Denn ihr Körper kann die Wärme nicht mehr gut regulieren, sie schwitzen weniger, das Durstgefühl schwindet. Das stellt die Betreuenden von Altersheimen vor besondere Herausforderungen. Oberstes Gebot ist an heissen Tagen in sämtlichen vier befragten Altersheimen der Region, viel zu trinken. Das muss nicht zwingend Wasser sein, erklärt Yvonne Moser, Leiterin Pflegedienst im Mauritiusheim in Schötz: «Wir achten darauf, dass wir besonders bei heissen Temperaturen unseren Betagten ihre Lieblingsgetränke anbieten können. Und wir haben vermehrt Frappés und Milchshakes im Angebot während der heissen Zeit.» Das sei ausserdem gut für die Haut dank des zusätzlichen Eiweisses. Auch kleine Kniffe wie zuprosten, sich hinsetzen und mit den Leuten trinken mache viel aus. Verführerisch können selbstgemachte Tees und Sirupe sein, wie Daniela Steffen, Pflegedienstleiterin vom «Murhof» in St. Urban, sagt: «In der Aktivierung wird bei uns frischer Minzentee gemacht, den wir kühl servieren, das lieben die Leute.» Der Flüssigkeitshaushalt kann auch mit anderen Mitteln ausgeglichen werden. Denn die Generation, welche heute im Altersheim lebt, liebt neben Milchkaffee auch Suppen. «Mit einer lauwarmen Bouillon oder auch einer kalten Gurkensuppe kann man den Kreislauf gut stützen und das durchs Schwitzen verlorene Salz ersetzen», so Dora Wyss, Leiterin Pflegedienst im Feldheim Reiden.


Ventilatoren ja, Klimaanlagen nein
Nachts lüften, tagsüber die Storen herunterlassen, damit die Hitze nicht ins Haus dringt – das sind weitere probate Mittel gegen zu hohe Temperaturen. Auch wenn das manchmal zu Protesten führt, weil es doch jetzt so schön hell ist und man tagsüber nicht im Dunkeln sitzen will. Mancherorts, im Feldheim zum Beispiel, kommen Ventilatoren zum Einsatz. Von drei Häusern ist hier eines minergiegesteuert – den Unterschied, sagt Dora Wyss, merke man, hier werde es nie so heiss wie in den anderen beiden Häusern. Klimaanlagen hingegen werden in keinem der befragten Altersheime eingesetzt. In Dagmersellen hätte man zwar in der Kapelle eine solche, aber «die Bewohner haben das nicht sehr gern, die Luftzüge im Nacken sind für sie unangenehm, und gerade Personen, die sich wenig bewegen, frieren schneller», sagt Kathrin Hauri, Leiterin Pflege und Betreuung in der «Eiche» in Dagmersellen.

Wenn man nach draussen geht, dann achten die Betreuenden auf genügend Sonnenschutz, Schattenplätze und die richtige Tageszeit – morgens, wenn es noch frisch ist, oder dann gegen Abend, wenn die grösste Hitze abgeflaut ist. Sonnenhüte und -crème sind ein Muss. Und passende Kleidung, gerade auch bei dementen Menschen: Luftig und locker soll sie sein. Das Gleiche gilt für die Bettwäsche: «Im Sommer bekommen unsere Bewohner leichte Duvets oder auf Wunsch Baumwolldecken», sagt Dora Wyss. Für Abkühlung zwischendurch sorgen auch Fuss- oder Armbäder.

Hitzewellen mit Temperaturen über 30 Grad sind eine Herausforderung für den Alltag im Altersheim, für Bewohner wie Betreuende. Letztere tragen mehr Verantwortung, haben einen grösseren Aufwand und müssen manchmal auch Verständnis bis an die Grenzen des Erträglichen zeigen. Denn im Alter leiden viele Menschen unter dem Verlust ihrer Autonomie. Und die Einnahme beziehungsweise das Verweigern von Essen, Trinken und Medikamenten sei oftmals noch die einzige Möglichkeit der Selbstbestimmung, die Betagte hätten, sagt Daniela Steffen vom «Murhof». Dies auszuhalten und zu akzeptieren sei manchmal sehr schwer.

ROSMARIE BRUNNER