Woche 3 / 2019

Von Erbschleichern und schlauen Nachbarinnen


Durch die Dunkelheit schleichen sich zwei schwarz vermummte Männer heran. Mit Taschenlampen erkunden sie von aussen ihr Zielobjekt, eine Villa. Da öffnet sich der Vorhang, und zu den Begleitklängen von «Pink Panther» kommt eine opulente Szenerie zum Vorschein: In nahezu barocker Pracht zeigt sich dem Publikum auf der Bühne der Altbürer Mehrzweckhalle das Wohnzimmer – oder wohl eher der Salon – von Madeleine von Vigier, frisch verwitwete und sehr wohlhabende Kunst- wie Antiquitätenliebhaberin. Das Bühnenbild ist einer der Höhepunkte, mit denen die Theatergruppe Grossdietwil dieses Jahr ihrer Produktion «Gauner haben kurze Beine» Glanz verleiht. Mit der dreiaktigen Komödie vermag die Truppe unter der Leitung von Regisseur Toni Knupp die Besucherinnen und Besucher mühelos während gut zwei Stunden zu unterhalten.


Keine Chance für die Gauner
Die beiden Gauner Felix Strübi und Julius Vigier, die sich schon zu Beginn der Handlung rasch als ziemliche Dilettanten erweisen, wollen die reiche Witwe Madeleine von Vigier berauben. Doch so einfach ist das nicht, und so beschliessen sie, andere Schliche zu versuchen: Erst erkundet der eine als vermeintlicher Versicherungsagent das Innenleben der Villa, dann versucht sich der zweite als Erbschleicher und gibt sich als verschollener Enkel von Madeleine von Vigier aus. Diese scheint etwas naiv zu sein, obwohl sie von ihrer schnippischen Schwester Helene Moll, der voyeuristischen Nachbarin Lorena Moretti und dem pensionierten Fahnder Remy Fuchs gewarnt wird. Liebevoll umsorgt von ihrer Enkelin Marie, lässt sich Madeleine von Vigier auf das Spiel ein und empfängt den angeblichen Enkel. Doch am Ende stellt sich heraus, dass alles etwas anders ist, als es scheint, und Madeleine von Vigier bei weitem nicht so ahnungslos und gutgläubig ist, wie es sie erst zu sein vorgibt.

Darsteller leben ihre Rollen
Mit viel Liebe zum Detail bringt die Theatergruppe Grossdietwil ihr diesjähriges Stück auf die Bühne. Und während die Hauptdarsteller mit Madeleine von Vigier (Christine Aschwanden) und der Enkelin Marie (Nina Krauer) ihre Rollen bestens ausfüllen, überzeugen auch die weiteren Protagonisten wie die beiden unbedarften Gauner Julius von Vigier (Florian Aschwanden) und Felix Strübi (Mathias Müller). Helene Moll, gespielt von Renate Knupp, mimt vorzüglich die leicht verbitterte und zickige Schwester der Hausherrin. Remy Fuchs alias Toni Knupp gibt den stets misstrauischen ehemaligen Fahnder mit entsprechender Körpersprache sehr glaubhaft. Die etwas überkandidelte und zur Dramatik neigende Nachbarin Lorena Moretti (Doris Renggli) kann ihren Observationstick ausleben und sorgt mit ihren Auftritten, die auf einer Bandbreite von paranoidem Verfolgungswahn bis hin zu leicht hysterischer Psychopatin zu verorten sind, für viele Lacher im Publikum. Und nicht zuletzt ist da Anna (Yvonne Koller), die allzu vorlaute Haushalthilfe, die mit ihren spitzen Bemerkungen den Saal rasch auf ihrer Seite hat.

Mit der Komödie «Gauner haben kurze Beine» hat die Theatergruppe Grossdietwil den Geschmack des Publikums getroffen. Der Applaus am Premierenabend von letzten Samstag währte entsprechend lange. Morgen Freitag und übermorgen Samstag hat man erneut die Gelegenheit, sich jeweils um 20 Uhr in der Mehrzweckhalle Hiltbrunnen in Altbüron einen vergnüglichen Abend mit der aktuellen Produktion der Theatergruppe Grossdietwil zu gönnen.

ROSMARIE BRUNNER